Viel Energie sparen mit wenig Investition
Contracting ist inzwischen eine bewährte Form der Finanzierung, die es Unternehmen erlaubt, in den Genuss der Vorzüge energieeffizienter Technologie zu kommen, ohne in die eigene Tasche greifen zu müssen." Mit diesen Worten warb Professor Dr. Norbert Hüttenhölscher, Leiter der Energieagentur NRW, vor rund 70 mittelständischen Unternehmern um den effizienteren Einsatz von Energie. „Die Firmen können der Energiekostenfalle entkommen und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten", ergänzte Detlev Sachse, Geschäftsführer der IHK Köln für Industrie, Standortpolitik Innovation und Umwelt. Die beiden Institutionen hatten im November zur Informationsver-anstaltung „Energieeffizienz durch Contracting" in den Flughafen Köln/Bonn eingeladen.
Nach Erfahrungen der Energieagentur NRW gibt es in 90% der nordrhein-westfälischen Unternehmen Potenziale für einen effizienteren Umgang mit Energie. „Je nach Branche und Größe des Unternehmens betragen die Einsparmöglichkeiten zwischen vier und 30% der Energiekosten", weiß Hüttenhölscher. Allerdings schrecken vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen derzeit vor Investitionen zurück. „Die Lösung für den Investitionsstau lautet: Contracting", sagte der Leiter der Energieagentur. Als „Contracting" werden alternative Finanzierungsund Betreibermodelle bezeichnet, die es Unternehmen erlauben, in die Vorzüge von Efflzienztechnologie zu kommen, ohne wertvolles Eigenkapital verwenden zu müssen. Dabei wird die Anschaffung moderner, effizienter Technologie durch die anschließend erzielten Einsparungen bei der Energienutzung finanziert.
Experten sagen dem Contracting in Deutschland eine große Zukunft voraus. Inzwischen wurden bundesweit über 50.000 Contracting-Verträge abgeschlossen. „Contracting ist damit eine zuverlässige und anerkannte Projektabwicklungsform geworden, zu dessen Markterschließung speziell die kreativen Energiedienstleister beigetragen haben", erläuterte Sachse. „Die IHK Köln hat Contracting als eine Möglichkeit erkannt, um unsere Mitgliedsunternehmen in ihrem Bemühen um Marktchancen und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.", sagte der Geschäftsführer der IHK Köln. Derzeit bemühen sich in Deutschland rund 500 so genannte Kontraktoren aus unterschiedlichen Branchen um Kunden. Da erst rund sieben Prozent des Marktes erschlossen sind, verbleibt mit bundesweit etwa 1,3 Millionen für das Contracting geeigneten Objekten ein beträchtliches Poten-zial. Die Schätzungen für das Marktvolumen bis 2007 schwanken zwischen 400 und 500 Millionen Euro.
Auch der Austragungsort der Informati-onsveranstaltung ist ein gelungenes Beispiel von Contracting. Flughäfen sind eine eigene, kleine Welt. Sie stellen den Betreiber vor besondere logistische und vor allem energiewirtschaftliche Herausforderungen: Sie sind Großverbraucher aller Formen von Energie -vom Strom für die Beleuchtung über die Heizwärme großer Hallen und langer Gänge bis zur Kühlungsenergie bei der Klimatisierung und Druckluft bei der Gepäckbeförderung. Der Flughafen Köln/Bonn hat die Herausforderungen einer zeitgemäßen, modernen Energieversorgung mithilfe des Contractings bewältigt. „Und wenn Contracting bei solchen Energiemengen, wie sie hier benötigt werden, funktioniert, dann ist das ein beeindruckender Leistungsnachweis", unterstrich IHK-Geschäft-führer Detlev Sachse.
Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium bietet seinen Unternehmen mit der Energieagentur NRW eine Beratungseinrichtung, die als nichtkommerzielle Einrichtung bei Contrac-ting-Projekten berät, ohne selbst in den Markt einzugreifen. Im vergangenen Jahr haben die Ingenieure der Energieagentur rund 500 solcher Projekte bearbeitet, die Hälfte der Anfragen kam von mittelständischen Unternehmen.
(Quelle: Grundbesitz 11/05) 
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